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Key Take-Aways
- Dr. Veronika von Heise-Rotenburg ist CFO bei Everphone, Aufsichtsrätin bei der BAWAG und Mitgründerin des Female Finance Circles, eine der aktivsten Finance-Persönlichkeiten im deutschsprachigen Startup-Ökosystem.
- Startup vs. Corporate: Geschwindigkeit schlägt Perfektion, aber nicht überall. Welche Themen 80 % brauchen und welche 95 %, ist die entscheidende Urteilsfähigkeit einer guten CFO.
- Resilienz entsteht durch Krisen: Wer als Finance-Leader Panik vermeidet und Zuversicht vorlegt, schützt nicht nur das Unternehmen, sondern auch das Team.
- KI im Finance ist mehr als ChatGPT: Von Machine-Learning-Restwertprognosen über den Jahreslagebericht bis zur unternehmensweiten AI-Pioneer-Strategie zeigt Everphone, wie es geht.
- Der Female Finance Circle entstand aus einem schlechten CFO-Dinner und ist heute ein Netzwerk von 200 Frauen auf seniorer Finance-Ebene.
Als Veronika im März 2008 bei McKinsey anfing, wusste sie noch nicht, dass sie ein halbes Jahr später mitten in der größten Finanzkrise seit Jahrzehnten stecken würde. Aus einer Expansionsstrategie wurde über Nacht Liquiditätsrisikomanagement – Statistik unter extremer Unsicherheit, mit wenigen Daten und noch weniger Zeit. Diese frühe Prägung zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Karriere: Gelassenheit in der Krise, Zuversicht als Führungsinstrument, und die Überzeugung, dass ein gutes Team mehr hebt als jede Einzelperson.
In der neuesten Folge von Winning Finance Strategies spricht Veronika mit Host Nikolai über ihren Weg vom Bankenberater zur Startup-CFO, über das komplexe Geschäftsmodell von Everphone, KI im Finance-Alltag – und darüber, warum ein schlechter Abend mit 34 Männern den Anstoß für ein 200-köpfiges Frauennetzwerk gab.
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Die Feuerprobe: Krise als Karrierekompass
Berufseinstieg bei McKinsey im März 2008, Lehman-Pleite im September 2008. Veronika erlebte die Finanzkrise nicht als Statistik, sondern als Tagesgeschäft – als McKinsey-Beraterin im Einsatz bei einer österreichischen Bank, die sich plötzlich um ihre eigene Liquidität sorgen musste. Aus einer Expansionsstrategie wurde über Nacht ein Krisenprojekt: Liquiditätsrisikomanagement, Statistik unter extremer Unsicherheit. "Das war richtig krass, so eine Krise an vorderster Front mitzuerleben", sagt sie heute.
Was sie daraus mitgenommen hat, ist kein Krisenplan – sondern eine Haltung. Im Startup-Alltag bedeutet das: Keine Panik, keine hektischen Schnellschüsse, keine Lähmung. "Du tust dir selbst und deinem Unternehmen keinen Gefallen, wenn du in Panik verfällst", erklärt Veronika. "Diese Zuversicht – ich habe schon mal eine oder zwei oder drei Krisen überlebt – die hilft. Und gerade in Krisen kannst du wenig allein reißen. Aber wenn du ein gut eingespieltes Team hinter dir hast, hast du die Durchschlagkraft, Dinge zu stemmen, die du im Normalfall nicht stemmen würdest."
Startup vs. Corporate: Die richtige Übersetzungsleistung
Nach McKinsey und mehreren Jahren im Automotive-Leasing landete Veronika über das Auto-Abo-Startup Cluno in der Startup-Welt – und musste ihr Mindset aktiv umprogrammieren. Das wichtigste Prinzip: Better than perfect. Im Konzern durchläuft eine Analyse fünf Hierarchiestufen, bevor sie den CFO erreicht. Im Startup entscheidet die 80-%-Lösung in zwei Stunden.
Aber nicht überall. "Ich würde es an Themengebieten festmachen", sagt Veronika. Einen einfachen Beschaffungsvertrag kann ChatGPT prüfen. Einen 400-seitigen Refinanzierungsvertrag, der die nächsten 24 Monate der Unternehmensfinanzierung bestimmt, liest ihr Team wortwörtlich durch – und engagiert hochspezialisierte Anwälte. "Wenn dort ein kleiner Fehler ist, der unser Geschäftsmodell oder unsere Existenz gefährdet, dann müssen wir das wissen." Die Urteilsfähigkeit, zu unterscheiden, wann 80 % reichen und wann nicht – das ist für sie eine Kernkompetenz jeder guten CFO.
Ein weiterer Kontrast: Fehlerkultur. Im Konzern lautet der erste Reflex oft: zudecken. "Während wir unseren Teams immer sagen: Kommt sofort zu uns. Dann können wir alle gemeinsam daran arbeiten, dass sich dieser Fehler nicht katastrophal auswirkt."
Everphone: Wo Device-Management auf Kreislaufwirtschaft trifft
Everphone verwaltet heute rund 400.000 Geräte für gewerbliche Großkunden – Smartphones, Tablets, Laptops – und übernimmt dabei alles: Einkauf, Konfiguration, Mobile Device Management, Repair-Abwicklung, zertifizierte Datenlöschung und Refurbishment. Der USP liegt dabei nicht in der Finanzierung selbst, erklärt Veronika: "Nahezu jeder unserer Kunden könnte sich zu günstigeren Konditionen selbst finanzieren." Den Unterschied macht die Kombination der Services – eine Rechnung für alles, und durchschnittlich zwei Stunden eingesparte IT-Support-Zeit pro Gerät.
Dass Everphone 99 % seiner Geräte zurückbekommt und einem Zweitzyklus zuführt, ist dabei kein Nebeneffekt, sondern Kern des Modells. Das Fraunhofer Institut hat bestätigt: 78 kg CO₂-Einsparung pro Telefon im Durchschnitt. Kunden können Everphone in ihren Nachhaltigkeitsberichten mit null ansetzen. Und erstmals hat diese Nachhaltigkeitsbilanz auch einen ESG-Kicker bei einer Refinanzierungsfazilität gebracht – ein Zeichen, das sich in der Branche noch nicht flächendeckend durchgesetzt hat.
KI im Finance: Mehr als Buzzword
Nur 3 % der befragten Unternehmen haben laut einer Studie eine echte KI-Strategie im Finance-Bereich. Eine Zahl, die Veronika erschreckt – aber nicht überrascht. Bei Everphone ist KI schon lange kein Pilotprojekt mehr. Und der Ansatz ist breiter als generative AI allein.
Ein Kernbeispiel: die Restwertprognose für Geräte. Da es kein käufliches Datensystem für Smartphone-Restwerte gibt, hat Everphone seit fast zehn Jahren eigene Daten gescraped und darauf Machine-Learning-Modelle aufgebaut. "Wir können heute sagen, was ein Gerät in 20 Monaten wert sein wird", erklärt Veronika. Für GenAI war das Team früh dran: Bereits im Januar 2023 wurde der Jahreslagebericht mit LLM-Unterstützung erstellt. Heute kommen Anwendungsfälle von Vertragsprüfung über RFQ-Beantwortung bis zu Mitarbeiterentwicklungs-Leitfäden für Führungskräfte hinzu.
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Die Rollout-Strategie: strukturiert, aber nicht top-down verordnet. Everphone hat ein AI-Pioneer-Netzwerk aufgebaut – eine Person je Fachbereich mit dem Auftrag, alles auszuprobieren, was nicht verboten ist. Diese Gruppe schult nun die Belegschaft ein. "Das Ziel ist nicht, dass alle eigene Anwendungen entwickeln. Aber alle sollen bestehende KI-Tools confident nutzen können." Den Effizienzgewinn durch KI schätzt Veronika auf 10 bis 20 % – je nachdem, ob man reine Tool-Nutzung zählt oder auch den Motivations- und Retentionseffekt, den Experimentierfreiheit in Unternehmen erzeugt.
Der Female Finance Circle: Aus Frust wird Netzwerk
Die Entstehungsgeschichte des Female Finance Circles ist so konkret wie ehrlich: ein CFO-Dinner, 34 Männer, wenig Essen, viel Alkohol, kaum Inhalt. "Ich saß in der Mitte und dachte mir: Ich würde den Abend eigentlich auch gerne genießen. Das muss man besser machen."
Drei andere CFOs meldeten sich via LinkedIn. Innerhalb von zwölf Monaten wuchs daraus ein Netzwerk von 200 Frauen auf seniorer Finance-Ebene – aus Startup, Mittelstand und Konzern. Heute gibt es eine gemeinnützige UG, eine Junior-Kohorte im Aufbau und regelmäßige Summits. Zuletzt fand einer bei Douglas statt.
Der Bedarf ist strukturell: 77 % der CFO-Neubesetzungen gehen an Männer. Der Gender Pay Gap bei Finanzrollen in Deutschland liegt bei 40 % – einer der höchsten in Europa. "Wir wollen diese einsame CFO-Stage durch ein strategisches Ökosystem ersetzen, wo Kompetenz sichtbar wird und Netzwerktüren sich für die nächste Generation öffnen", sagt Veronika. Und mit einem Lächeln: "Ich habe immer gesagt, ich bin keine Gründerin. Ich bin Operator. Und jetzt habe ich doch gegründet."

Lessons Learned: Was CFOs von Veronika lernen können
- Unterscheide zwischen 80 %- und 95 %-Themen Nicht alles braucht Perfektion. Aber bei Haftung, Steuern und Refinanzierung ist Sorgfalt keine Bürokratie – sondern Schutz.
- Resilienz ist kein Persönlichkeitsmerkmal – sie wird aufgebaut "Ich habe schon mal eine oder zwei oder drei Krisen überlebt. Ich werde auch jetzt eine Lösung finden." Diese Zuversicht entsteht durch Erfahrung – und lässt sich kultivieren.
- KI braucht eine Strategie, keine Tool-Liste Wer KI als isoliertes Tool einführt, erntet 10 % Effizienz. Wer es mit motivierten Pioneern und Experimentierfreiheit verbindet, kommt auf 20 % – und hält Talente länger.
- Business Partner sein heißt zuhören "Es heißt Business Partner. Das heißt, wir kommen partnerschaftlich zu einer Erkenntnis." Daten liefern, Impulse geben – aber die Transferarbeit bleibt beim Fachbereich.
- Netzwerk ist kein Bonus – es ist Infrastruktur Gerade unter Druck ist ein belastbares Netzwerk das entscheidende Asset. Im Startup-Ökosystem funktioniert das besonders gut, weil die Hilfsbereitschaft strukturell höher ist als in Konzernen.
Fazit: Die CFO als Architektin des Möglichen
Veronikas Karriere zeigt, wie sich die Rolle der CFO verändert hat – von der Zahlenhüterin zur strategischen Architektin. Bei Everphone bedeutet das: Refinanzierungen strukturieren, KI-Strategien aufbauen, Unit Economics verfeinern, ein Finance-Team entwickeln, das mehr schafft als vor drei Jahren – und nebenbei ein Netzwerk mitgründen, das die nächste Generation von Finance-Frauen sichtbar macht.
Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Branche aufholt. Eines ist sicher: Mit Führungskräften wie Veronika ist die Transformation des Office of the CFO in guten Händen.
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Über Veronika
Veronika ist CFO bei Everphone, einem Berliner Startup im Bereich Mobile Device as a Service. Sie begleitet Unternehmen seit über 15 Jahren durch Finance-Transformationen – von McKinsey über Automotive-Leasing bis in die Startup-Welt. Darüber hinaus ist sie Aufsichtsrätin bei der BAWAG, Angel Investorin und Mitgründerin des Female Finance Circles. Ein Buch ist in Vorbereitung.
Key Facts:
- Aktuelle Rolle: CFO bei Everphone
- Weitere Funktionen: Aufsichtsrätin BAWAG, Angel Investorin, Mitgründerin Female Finance Circle
- Hintergrund: McKinsey, Automotive-Leasing (Full-Service, Auto-Abo), Startup CFO seit Cluno
Über Everphone
Everphone ist ein Berliner B2B-Startup, das gewerblichen Großkunden Mobile Device as a Service anbietet – von der Gerätekonfiguration über Mobile Device Management bis zu Repair und zertifizierter Datenlöschung.
Key Facts:
- Gegründet: 2015, Berlin
- Modell: Mobile Device as a Service (DaaS)
- Geräte: ~400.000 aktiv verwaltet
Nachhaltigkeit: 78 kg CO₂-Einsparung pro Gerät (Fraunhofer), 99 % Rückgabequote
Winning Finance Strategies
Der Podcast für moderne Finanzführung und digitale Transformation. Host Nikolai Skatchkov spricht mit führenden Finance-Köpfen aus der DACH-Region über ihre Erfahrungen, Learnings und Visionen für die Zukunft des Office of the CFO.
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